Artikel von Ri. Simon Schamberger (erschienen auf juraindividuell.de) – 27.07.2015

 

Der folgende Artikel möchte einen Überblick über das Jurastudium in Augsburg geben. Er richtet sich vor allem an alle Interessierten, die sich vorstellen können, in der Schwabenmetropole zu leben und zu lernen. Wir stellen Ihnen die Stadt, die Fakultät und das Programm vor.

I. AUGSBURG, DIE ZWEITÄLTESTE STADT DEUTSCHLANDS

Augsburg ist eine kreisfreie Großstadt im Südwesten Bayerns und blickt auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück. Sie ist nur unwesentlich jünger als Trier und wurde 15.v.Chr. von den Römern gegründet als Augusta Vindelicorum. Die Stadt zählt mittlerweile 276.000 Einwohner mit steigender Tendenz. Sie liegt nur gut 60 km von der Landeshauptstadt München entfernt, im Süden ist es nicht weit zu den Allgäuer Bergen, dem Ammersee und Starnberger See. Dass es viele sportliche Outdoormöglichkeiten gibt, versteht sich von selbst. Im Westen und Südosten findet man wunderschöne Naherholungswälder und in der näheren Umgebung locken Badeseen und Fahrradwege zum Entspannen und Bewegen.

Der Stadt wird italienisches Flair nachgesagt, und das spürt man auch, wenn man durch die prächtige Maximiliansstraße im Herzen der Stadt läuft und dabei zahlreichen Cafes, Brunnen, kleinen Brücken und historischen Bauten begegnet. Abends laden viele kleinere Kneipen und Diskotheken zum Feiern ein und die Augsburger stellen auch immer wieder schöne Stadtfeste auf die Beine. Bekannt ist die Illumination der prächtigen Altstadt im Sommer oder auch das Maxfest, das in den nächsten Jahren in die Stadt zurückkehren soll. Die Küche ist eine Mischung aus schwäbischer und bayerischer Tradition, ergänzt um Augsburger Spezialitäten wie etwa der Zwetschgendatschi im Sommer.

II. UNIVERSITÄT

Die Augsburger Universität existiert seit 1970. Sie verfügt derzeit über sieben Fakultäten und zählt um die 20.000 Studenten. Die Gebäude befinden sich heute im Süden der Stadt und bilden ein zusammenhängendes Campusgelände. Das bedeutet kurze Wege für alle Aktivitäten an der Uni.

Die Mensa wurde vor ein paar Jahren umfassend modernisiert und braucht sich nicht zu verstecken: Das Essen ist gut und für Studenten bezahlbar. Auch für Auswärtige hat sie geöffnet, verlangt dann aber deutlich höhere Preise. Nicht nur bilden alle Campusgebäude einen zusammenhängenden Komplex, es gibt auch einen kleinen See auf dem Universitätsgelände, an dem man sich einen Spaziergang gönnen und in den Pausen etwas entspannen kann. Der Kaffee in der neben dem See liegenden „alten Cafete“ ist legendär und sehr beliebt.

Die Verbindung zur Stadt über öffentliche Verkehrsmittel ist gut getaktet, dennoch sind die Straßenbahnen und Busse zu den Stoßzeiten am Morgen öfter überfüllt, weil noch etliche weitere Schulen auf dem Weg zur Uni liegen.

III. JURISTISCHE FAKULTÄT

1. GEBÄUDE

Die juristische Fakultät befindet sich gemeinsam mit der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät im Nordwesten des Campusgelände auf einem Hügel. Beide Fakultäten teilen sich eine geräumige Teilbibliothek für Sozialwissenschaften, die an die Zentralbibliothek angegliedert ist. Die Bibliothek ist für die Ausbildung relativ gut ausgestattet, aber bei speziellerer Literatur ist der Zugriff auf die gut organisierte Fernleihe manchmal leider unumgänglich.

Die Fakultätsgebäude und die Teilbibliothek sind jüngeren Baujahres, und das merkt man deutlich. Alle Gebäude sind modern, lichtdurchflutet und technisch auf dem neuesten Stand ausgerüstet. Vor wenigen Jahren wurden angesichts steigender Studentenzahlen Erweiterungen der Gebäude fertiggestellt. So gibt es nun neue Seminarräume und ein Raum kann sogar in einen Gerichtssaal umfunktioniert werden, um Praxissimulationen durchzuführen. Früher im Gebäude der Alten Universität wegen Platzmangel ausgelagerte Teile der Lehrstühle sind mittlerweile in den Bürotrakt der Fakultät durch einen Anbau integriert worden.

2. ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

An der Fakultät existieren derzeit 23 Lehrstühle, die zusammen mit Emeriti, außerplanmäßigen Professoren und Lehrbeauftragten ein breites wissenschaftliches Spektrum abdecken. Im Sommersemester 2015 waren nach Angaben der Universität an der Juristischen Fakultät 2.756 Studierende eingeschrieben. Die Fakultät wirbt damit, dass das Studium in Augsburg im bundesweiten Vergleich die kürzeste durchschnittliche Studienzeit aufweist. Bewerkstelligt wird dies durch ein recht straffes System an Pflichtklausuren vom ersten Semester an, die dafür sorgen, dass man „permanent am Ball“ bleibt.

Die Öffnungszeiten der Bibliothek sind derzeit Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 24.00 Uhr, Samstag von 9.30 Uhr bis 24.00 Uhr und Sonntag von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr, wobei sie an Feiertagen geschlossen hat.

3. ORGANISATION DES JURASTUDIUMS

A) ANFANGSPHASE

Zu Beginn des Studiums, welches im Wintersemester startet, werden Vorlesungen im Grundkurs Bürgerliches Recht I-III, Strafrecht I-III und Öffentliches Recht I-III angeboten. Im Öffentlichen Recht beginnt man anders als früher nun mit den Grundrechten und wechselt erst später auf das Verwaltungsrecht mit europarechtlichen Bezügen. Zudem werden Grundlagenfächer angeboten, etwa Rechtsgeschichte, Juristische Arbeitstechnik und Methodenlehre. In jedem Fach werden zweistündige Vorlesungsabschlussklausuren gestellt. Zur Vorbereitung bietet die Fakultät wöchentliche Fallbesprechungen an, die zumeist von den Wissenschaftlichen Mitarbeitern gehalten werden. Dort ist der Andrang vormittags und am frühen Nachmittag größer als bei den Kursen, die am Abend angeboten werden, sodass sich auch hierauf ein Blick lohnt. Zudem muss eine kleine Hausarbeit in einem der Grundkursfächer geschrieben werden. Damit erwirbt man die Erlaubnis, an den Prüfungen der sogenannten Großen Übungen teilzunehmen, die in der Regel ab dem vierten Semester vorgesehen sind.

Parallel hierzu läuft die sogenannte Zwischenprüfung. Diese muss bis zum sechsten Semester bestanden werden und besteht aus den Vorlesungsabschlussklausuren Grundkurs Bürgerliches Recht III, Grundkurs Strafrecht II, Grundkurs Öffentliches III und einer Klausur aus einem Grundlagenfach, beispielsweise der Rechtsgeschichte.

Als Voraussetzung für die große Seminararbeit in der Mittelphase des Studiums muss zudem der Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an einem kleinen Seminar (sog. propädeutisches Seminar) erbracht werden, in dem man das wissenschaftliche Arbeiten erlernt. Alternativ hierzu kann eine sogenannte Quellenexegese-Übung belegt werden, die sich mit alten Originalrechtstexten auseinandersetzt und mit einer Klausur endet.

Auch der Nachweis der erfolgreichen einsemestrigen Teilnahme an einer Fremdsprache muss erbracht werden. Hierzu werden Englisch, Französisch, Spanisch und Türkisch angeboten, die später freiwillig als sogenannte Fachspezifische Fremdsprachenausbildungen vertieft werden können.

Die Studenten können schon früh beginnen, ihre Pflichtpraktika abzuleisten. Hierzu müssen im Laufe des Studiums in zwei der Bereiche Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht  insgesamt drei Monate an praktischen Studienzeiten nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass man sich in den Semesterferien bei einem Gericht, der Staatsanwaltschaft, einer Verwaltungsbehörde, einer Rechtsanwaltskanzlei, einem Notariat oder einem Wirtschaftsunternehmen bewirbt und dort durch einen Juristen oder eine Juristin Einblick in die Rechtspraxis erhält.

B) MITTELPHASE UND SCHWERPUNKTSTUDIUM

Ab dem vierten Semester erweitert sich das Stoffspektrum auf die examensrelevanten Nebengebiete wie ZPO, Handelsrecht, Erb- und Familienrecht, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht und Europarecht. Teilweise werden hier auch Klausuren angeboten, was durchaus sinnvoll erscheint, damit das erstmalige Erlernen dieser Fächer nicht zu lange in die Examensphase hineingeschoben wird. Dazu laufen die Großen Übungen in den klassischen drei Rechtsbereichen, die aus größeren Fallbesprechungen bestehen und mit der Fertigung einer dreistündigen, stoffmäßig umfassenderen Klausur enden. Zudem muss in jeder großen Übung eine große Hausarbeit geschrieben und bestanden werden. Dies sind größere Fälle, die regelmäßig in die Tiefe gehen und in den Semesterferien zu fertigen sind.

Überdies besucht man in der Regel ab dem fünften Semester einen Schwerpunktbereich seiner Wahl. Hierzu gibt es interessante Spezialisierungsmöglichkeiten. Die Uni bietet mittlerweile neun Bereiche an:

1. Internationales Recht

2. Steuer- und Gesellschaftsrecht

3. Gesellschafts-, Bank- und Kapitalmarktrecht

4. Deutsches und Internationales Umwelt- und Wirtschaftsregulierungsrecht

5. Kriminalwissenschaften

6. Bio-, Gesundheits- und Medizinrecht

7. Arbeits- und Gesellschaftsrecht

8. Geistiges Eigentum und Wettbewerbsrecht

9. Grundlagen des Rechts

Die Schwerpunkte bestehen aus Vorlesungen, die sich in der Regel vom fünften bis zum siebten Semester erstrecken. Hier wird normalerweise eine Klausur im Umfang von zwei Stunden in einem selbstgewählten Teilbereich des Schwerpunkts abverlangt. Zudem muss eine große Seminararbeit geschrieben und vor der Gruppe der Seminarteilnehmer vorgestellt werden. Beide Leistungen fließen direkt in die Examensnote als Teil der Juristischen Universitätsprüfung ein.

C) SCHLUSSPHASE

Am Ende des Studiums, üblicherweise zwischen dem siebten bis neunten Semester, bietet die Fakultät einen eigenen Unirepkurs an, das sogenannte Examinatorium. Dies ist ein kostenloser, auf ein Jahr ausgelegter Lehrgang, der auf die nun anstehenden Examensprüfungen vorbereiten möchte.

Herzstück ist der Klausurenkurs: Dort werden wöchentlich alte und jüngere Originalexamensklausuren gestellt. Sie können zur Übung geschrieben werden und werden in der Regel nach drei bis vier Wochen korrigiert zurückgegeben. Man kann sich hierzu in einen Übungssaal setzen und die Klausur fünf Stunden lang schreiben, um möglichst die Examenssituation zu üben und sein Zeitmanagement zu verbessern. Der Autor hat selbst viele Klausuren in diesem Kurs mitgeschrieben und etliche seiner Klausuren in einer Lerngruppe besprochen; durch die Examensnähe, die die kommerziellen Massenrepetitorien so in der Form in ihren Klausuren nicht anbieten können, erhält man ein richtig gutes Gefühl für den Prüfungsstil und Erwartungshorizont im echten Examen.

Neben dem Klausurenkurs wird auch Unterricht mit Stoffprogramm im Jahresrhythmus geboten. Dessen Qualität reicht jedoch in der Regel nicht an die Qualität von einem Repetitorium heran, wie die Erfahrung gezeigt hat. Die Dozenten dort sind oft Universitätsprofessoren, teils Wissenschaftliche Mitarbeiter und externe, etwa Rechtsanwälte. Sie können sich schon aus beruflichen und zeitlichen Gründen nicht immer untereinander absprechen, sodass der Unterricht manchmal nicht „wie aus einem Guss“ wirkt, auch wenn die meisten der Dozenten motiviert sind.

Überdies wird einmal pro Semester ein Probeexamen angeboten, an dem an mehreren Tagen hintereinander Klausuren geschrieben werden, um die Belastungssituation im echten Examen zu simulieren.

Es wird auch ein Crashkurs zur neueren höchstrichterlichen Rechtsprechung angeboten.

Neuerdings bietet das Examinatorium auch eine Klausurensprechstunde an, in der man 30 Minuten lang Fragen zur Korrektur und Benotung von bis zu fünf geschriebenen Übungsklausuren stellen kann. Dies stellt eine erfreuliche Neuerung und Verbesserung des Examinatoriums dar und ist zu begrüßen.

Den Studenten steht es also vollkommen frei, das Examinatorium oder ein kommerzielles Repetitorium zu besuchen. Empfehlenswert ist es, zumindest so oft als möglich den Klausurenkurs zu besuchen.

Hat man dann die schriftlichen Prüfungen erfolgreich hinter sich gebracht, bietet das Examinatorium auch Prüfungssimulationen für die mündliche Prüfung an. Dort kann man einen Eindruck gewinnen, wie sich Prüfer in so einer Situation verhalten können, wie man selbst reagieren sollte und was man lieber nicht tun sollte. Die Prüfer geben dazu wertvolles Feedback.

 

4. SONSTIGES

A) AUSLANDSSTUDIUMSANGEBOTE

Die Uni kooperiert über das Erasmusprogramm hinaus mit Universitäten aus den USA und Australien. Darüber hinaus wurden weitere Partnerunis in Chile, China, Japan, Vietnam und Südafrika gewonnen. Nähere Informationen finden sich auf der Internetseite der Fakultät.

B) WOHLFÜHLFAKTOR

Bei Sonnenschein sitzen die Studenten gerne draußen auf der Holzterasse der Bibliothek, um sich dort auszutauschen, zu entspannen und Kaffee zu trinken. Der Weg zur „alten Cafete“ am kleinen See ist nicht weit und lädt zum Ausspannen ein. In der alten Cafete kann man auf ein im Vergleich zur Mensa etwas eingeschränktes Mahlzeitenangebot zurückgreifen. Im Fakultätsgebäude gibt es im Untergeschoss im Automaten Süßes, kalte Getränke und einen viel genutzten Kaffeeautomaten. Im Sommersemester veranstaltet die Fachschaft die beliebte Jura-Fete auf dem Vorplatz der Fakultät, im Wintersemester steht dann der renommierte Jura-Ball in der Fakultät an.

C) WOHNUNGSMARKT IN AUGSBURG

Aufgrund der Nähe zu München (60 km) ist der Wohnungsmarkt in Augsburg naturgemäß angespannt. Es entstehen zurzeit jedoch laufend neue Studentenwohnheime im Stadtgebiet, sodass sich die Situation in den nächsten Jahren etwas entspannen dürfte.

D) WEITERE AKTIVITÄTEN UND FACHSCHAFT

Es gibt viele weitere Aktivitäten der Universität (etwa Hochschulsport) und der Fakultät (v.a. Vorträge, Exkursionen, Spezialveranstaltungen wie etwa neuerdings die „law clinic“), die hier im Einzelnen nicht näher aufgezählt werden müssen. Sie werden sowohl im Internet als auch durch Aushänge bekanntgemacht und lohnen sich, um einen Blick über den berühmten „Tellerrand“ zu erhaschen. Bei allen Fragen zum Studium finden sich auch kompetente und freundliche Ansprechpartner im Bürotrakt des Fakultätsgebäudes. Die Fachschaft unterstützt die Studenten tatkräftig mit der Organisation der „O-Phase“ des Studiums, den berühmten „Ersti-Hilfe“-Ratgebern und auch Prüfungsprotokollen für das Mündliche Examen. Die Fachschaft freut sich auch über motivierte studentische Mitarbeiter.

E) HOMEPAGE

Alle weiteren Informationen und vertiefte Hinweise finden sich auf der Homepage der Fakultät unter

http://www.jura.uni-augsburg.de/fakultaet/

F) PERSÖNLICHES FAZIT

Das Studium in Augsburg lohnt sich. Ich hatte in den fünf Jahren hier viel Spaß und fühlte mich gut betreut, die Stadt selbst hat eine sehr angenehme Größe. Man kann Augsburg als „kleine Großstadt“ oder „große Kleinstadt“ sehen, aber wenn man wie ich auch schon in einer anderen Stadt studiert hat und den Vergleich sieht, bietet sie viele Möglichkeiten. Die Fakultät ist sauber, geräumig und relativ gut ausgestattet, die Lehrkräfte überwiegend motiviert. Da das Studium sehr straff organisiert ist, blieb für ein Hineinschnuppern in andere Fächer jedoch so gut wie keine Zeit mehr. Jedoch steht es jedem Studenten selbst frei, ob er das Angebot der Fakultät übernimmt oder es sich doch etwas anders verteilt. Wie immer gilt: Das Studium in Augsburg ist das, was man daraus macht!

 

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Artikel erschienen auf juraindividuell.de von Ri. Simon Schamberger.